Die Kunst des Selbstportraits

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Ellen DeGeneres, Moderatorin der Oscar-Verleihung hat am 2. März 2014 die Zutaten für einen erfolgreichen Tweet neu gemischt: Demnach braucht es nicht mehr als 11 strahlende und erfolgreiche Schauspielerinnen und Schauspieler um sich herum, einen Klick am Smartphone und schon ist der bisher durchschlagendste Tweet überhaupt perfekt.

Tipps für ein gutes Selfie:

  1. Lage, Lage, Lage: Wer sich von unten oder im Liegen fotografiert, riskiert unvorteilhafte Posen mit Doppelkinn und Blick in die Nase. Besser die Kamera etwas über sich positionieren, den Kopf etwas zur Seite legen und die Arme so weit wie möglich vom Körper weg strecken.

  2. Der passende Anlass: Achten Sie auch auf die Umgebung, in der Sie aufnehmen. Natürlich müssen es nicht immer extrem außergewöhnliche Locations sein, der Hintergrund eines erfolgreichen Selfies ist mindestens genauso wichtig wie das abgelichtete Motiv. Das Selfie von Barack Obama während der Trauerfeier von Nelson Mandela im letzten Jahr erregte fast mehr Aufsehen als das Ereignis selbst. Auch David Cameron wurde kürzlich für sein Selbstportrait am Telefon via Twitter mit einer Reihe spottender Nachahmungsbilder gerügt.

  3. Richtig abdrücken: Warum unnötig die Finger verrenken, wenn an den meisten Smartphones auch der +/- Volume-Button zum Auslösen der Kamera verwendet werden kann. Diese Fingerposition ist soviel bequemer als die übliche Schaltfläche. Mit einer Frontkamera, die den gewählten Bildausschnitt am Smartphone oder Tablet beim Fotografieren sehen lässt, gelingt ein Selfie am besten.

  4. Für das richtige Licht sorgen: Kühle Lichtverhältnisse in Badezimmern und Umkleidekabine sind selten schmeichelhaft zur Haut und lassen ein Selfie-Model schnell blass und krank aussehen. Besser in der Natur oder unter warmen Lichtquellen fotografieren.

  5. Tricksen mit Selfie-Apps: Kleine Schönheitskorrekturen sind mit Fotofiltern aus Instagram & Co schnell retuschiert. Darüber hinaus gibt es noch spielerische Apps, die außergewöhnliche Bilder am Smartphone entstehen lassen. Frontback zeigt zum Beispiel den Fotografen selbst und das was er sieht in einem kombinierten Bild und MomentCam verwandelt das Selfie auf Knopfdruck in eine monochrome Karikatur.

Solidaritäts-Selfies

Ein erfolgreiches Selfie erkennt man nicht nur daran, dass es unzählige Male geteilt und geliked wird, mitunter löst es sogar eine ganze Bewegung im Netz aus. Mit ihrem Selbstportrait vom 4. März 2014, das sie ungeschminkt zeigt, startete die Bestseller-Autorin Laura Lippman eine ungeahnte Welle an Solidaritäts-Selfies gegen den Schönheitswahn. Aus der spontan entstandenen Fotoidee entwickelte sich in wenigen Tagen eine erfolgreiche Spendensammelaktion für Krebskranke.

Unter dem Schlagwort #Hoodiejournalismus zeigen seit 23. März 2014 auch die Online-Journalisten ihre Unterstützung für Stefan Plöchinger, der für den Wechsel aus der Chefetage der Onlineredaktion an die Spitze der Printredaktion der Süddeutschen Zeitung harte Kritik von den Kolleginnen und Kollegen einstecken musste.
Der Protest der Printjournalisten zeigt, wie groß die Kluft zwischen Print und Online im Journalismus immer noch ist. Die Hoodie-Bilder, die vorwiegend via Twitter verbreitet werden, sind in diesem Tumblr gesammelt.

Shelfie statt Selfie

Unter dem Titel Forget selfies, we want to see your shelfies hat The Guardian im Dezember zu einem neuen Fototrend aufgerufen: Bilder von Bücherregalen! Mittlerweile finden viele Webuser Shelfies viel interessanter als Selfies und bieten via Tumblr oder Twitter Einblicke in ihre heimischen Bibliotheken.